MutterKutter
vor einem Monat
MutterKutter

WhatsApp-Gruppen

Stöhnen Sie manchmal auch genervt auf, wenn in der Eltern-WhatsApp-Gruppe wieder 1.000 Nachrichten eintrudeln und es permanent pingt? Dann lesen Sie jetzt genau hier weiter – unsere Autorinnen Dorothee Dahinden und Kerstin Lüking beleuchten Sinn und Sinnlosigkeit von Eltern-Chats!

Doro und Kerstin

Kerstin Lüking und Dorothee Dahinden, unsere Expertinnen von MutterKutter (© Anne Seliger)

Gestatten, mein Name ist Fräulein Doro Doppelmoral! Und zwar dann, wenn es um WhatsApp geht. Genauer: Whatsapp-Gruppen. Ich fahre hier zweigleisig. Tatsächlich aber mit gutem Gewissen. Ich nutze die Gruppenfunktion auch mal selbst, gleichzeitig muss ich bei einigen Gruppen, in die ich gerate, manchmal innerlich schreien. Warum? Gleich!


Kindergeburtstag? Yo, da ist eine Gruppe extrem praktisch!


Also, genau: JA! Ich nutze die Gruppenfunktion bei Whatsapp auch! Ist ja schließlich total easy und mega praktisch, um den gesamten Kindergeburtstagsausflug in einer Gruppe zu planen. Und genau das habe ich erst kürzlich genauso gehandhabt. So nach dem Motto: „Hey ihr Mamas, wir treffen uns um 14:45 Uhr auf dem Bauernhof in XY. Bitte gebt euren Kindern Regenklamotten und extra Socken mit. Das Stroh kann fies pieksen nach dem Toben in der Scheune. Wir können vier Kinder mitnehmen. Braucht ihr einen Platz oder organisiert ihr euch?“ – ZACK! Fertig. Eine Gruppe zum reinen Info-Austausch. Nicht über das Frühstück zuhause davor, stinkende Kuhfladen-Schuhsohlen danach oder über „Was mein Kind alles nicht isst“ schwadroniert. Ich habe die Gruppe dann nach der Party mit einem innerlichen „Danke!“ an alle Eltern gelöscht! Geht doch, dachte ich mir!


Messages


Unnützes Wissen deluxe via Whatsapp!?


Denn es gibt diese eine Sache, bei der ich Hitzeflecken im Gesicht bekomme, verzweifelt auf mein Smartphone starre und mich frage: Was geht da ab? Und zwar dann, wenn diese WhatsApp-Gruppen für Eltern in virtuellen Kegelclubfahrten enden, bei der jede*r seine Gedanken, Fragen und Wünsche mit 25 Menschen teilt. Dinge, die – brutal gesagt – mindestens 22 andere Leute nicht interessieren. Unnützes Wissen deluxe quasi! Sie kennen das sicherlich auch: Debattiert wird in den verschiedenen Gruppen über die Menge Hausaufgaben, das Verhalten von Kita-Erzieher*innen, das Ziel des nächsten Ausflugs, die Länge der Frühstückspausen, das Gewicht der Schulranzen, wer nun welchen Kuchen backt, was in den Koffer für die Klassenfahrt kommt, wer nochmal aufs Klo muss etc. Manchmal bete ich inständig, dass nicht noch Sprachnachrichten über einer Minute vom Klo, Fotos von den Frühstücksboxen oder das Rezept vom Marmorkuchen geteilt wird. Denn: Ich will das alles gar nicht wissen! Und ich kippe im echten Leben doch auch nicht wildfremden Menschen unnützes Wissen vor die Füße: ARGHS! Weniger ist mehr, auch hier – mein Credo!


Unsere Community sagt unter anderem: „Ein Instrument der Qual, direkt aus der Hölle.“


Eins, das übrigens die MutterKutter-Community teilt. Wir haben vor einiger Zeit bei Instagram mal die Umfrage gemacht „Whatsapp-Gruppen für Eltern sind…“ – und die Antworten haben mich, Doro, sehr beruhigt. Mir wurde klar: Es gibt noch mehr Menschen, die überlegen, wie sie die virtuelle Klassenfahrt am besten beenden. Hier die schönsten Antworten:

  • „Nervig…“
  • „…unnötig wie ein Pickel am Po!“
  • „Furchtbar 😱“
  • „Mit Vorsicht zu genießen.“
  • „Ein Instrument der Qual direkt aus der Hölle.“
  • „Nervtötend“
  • „Comedy-reif“
  • „Das Schlimmste seit es WA gibt“
  • „Anstrengend“

Aber auch:

  • „Sehr unterschiedlich. Von nützlich über unterhaltsam bis total nervig schon alles erlebt.“
  • „In der Grundschule okay – begrenzt auf Wichtiges. Sonst ruhig. Kita – no go!“
  • „Nützlich, wenn sie einen konstruktiven Austausch ermöglichen.“


„Stumm“ geht auch!


Nützlich ist eine Gruppe, in der ich aktuell bin. Hier geht es wirklich nur um das Wesentliche. Und vielleicht sollte ich künftig einfach aussteigen oder erst gar nicht mitmachen, wenn ich nur schon „WhatsApp-Gruppe für Eltern“ höre. Vielleicht sollte ich auch mal was sagen, wenn es zu doll wird. Hm. Ja! Ich denke darüber nach. So lange ist meine persönliche Gruppe aus der Hölle zumindest auf stumm oder ich ignoriere die Nachrichten!

Kerstin Lüking, Hebamme und Expertin von MutterKutter (© Anne Seliger)

Kerstin, sag mal: Hast du überhaupt auf einem deiner Handys Whatsapp?

Liebe Doro, ich bin in der komfortablen Situation, kein Whatsapp auf meinem Telefon haben zu dürfen. Aus Gründen des Datenschutzes ist mir die Nutzung als Hebamme auf dem Telefon untersagt, sobald ich dieses dienstlich nutze.


Als Hebamme habe ich kein Whatsapp!


Also: großartig! Denn ich erspare mir viel Hirnschmalz anderer Leute und vor allem Fotos!! Das finde ich immer besonders amüsant, was da so durch die Leitungen geschickt wird. Urlaubsbilder, Hunde und Katzen in Spanien am Strand, Omma und Oppa beim Eis-Essen in Travemünde, Sonnenuntergänge im Sekunden-Takt! Wen interessiert das? Mich nicht. Wer mich erreichen möchte, kann das per SMS, Mail oder auf der Tonspur, das sollte ausreichend sein.


Ich bin gerne Whatsapp-Außenseiterin!


Mittlerweile habe ich allerdings eine Außenseiter-Position inne. Die Mails der Elternvertreterin einer meiner Kinder beginnen immer gleich: „Liebe Kerstin, da Du ja immer noch kein WhatsApp hast (die versteht einfach immer noch nicht den Hintergrund), bekommst du die nötigen Infos jetzt extra für dich von mir per Mail.“ Ja, Okay, ich habe es verstanden, ich soll jetzt mit der Formulierung ein schlechtes Gewissen bekommen. Nur leider setzt das nicht so wirklich ein. Auch den Rat, mir doch mal ein privates Handy anzuschaffen, habe ich bis dato schlichtweg ignoriert. Es fühlt sich einfach zu gut an, auch mal Dinge nicht zu wissen. Naja, ich gebe es zu: Nicht wirklich immer. Die Planung und Organisation einer kleinen Klassenfahrt einer meiner Töchter wurde netterweise von den Eltern organisiert, und zwar per Whatsapp! Ich bekam fünf Tage vor der Fahrt, von der ich ja nichts wusste, eine Mail einer befreundeten Mutter: „Du Kerstin, warum steht denn Marlene nicht mit auf der Liste? Kommt sie gar nicht mit? Das wäre ja schade? Hast du die Infos nicht gelesen?“

Natürlich, das war jetzt das Überreichen der Mutti-Arschkarte mit: „Du hast wohl wieder nicht aufgepasst, was? Kann schon mal passieren, dass man den Überblick verliert bei sieben Kindern!!“

Ganz ehrlich, ich nehme sie gerne an, die Arschkarte! Dafür habe ich meine Ruhe und die ist ja bekanntlich himmlisch. Und meine Tochter konnte doch noch mitfahren, eine Mail und die Sache war geritzt. So easy war´s!


Handy


So, nun fragen Sie sich vielleicht: „Ich mag WhatsApp-Gruppen für Eltern auch nicht. Ich bin aber drin. Und jetzt?“ Wir raten Ihnen für diese Fälle:

  • Wenn es ständig in der Gruppe bimmelt und in der Regel keine Nachrichten kommen, die für Sie oder Ihr Kind ultrawichtig sind: Schalten Sie die Gruppe erstmal auf „stumm“. Sie können ja in regelmäßigen Abständen schauen, ob was reingekommen ist. Wenn allerdings in der Zwischenzeit 150 Nachrichten eingetrudelt sind, dann macht das ja auch mehr Arbeit als Sinn. Für diese Fälle: Fragen Sie doch Ihren Eltern-Buddy, ob wichtige News dabei waren. Es gibt doch immer jemanden, der bzw. die sich den Chat mit einem Lachen durchliest und vielleicht auch den Kopf schüttelt, aber innerlich nicht explodiert. Ich, Doro, habe eine befreundete Mutter, die mir in der Regel sagt, was da los war.
  • Übrigens, auch gut: Wenn was wirklich wichtig ist, dann wird es mir, genauso wie Kerstin, von anderen Eltern mitgeteilt. Eben auch von der befreundeten Mutter. Der habe ich auch schon gesagt: „Sagst du mir bitte Bescheid, wenn ich was nicht mitbekomme?“ Läuft!
  • Ein Weg wäre ja auch: Austreten oder – wie bei Kerstin – gar nicht erst eintreten. Und damit das nicht passiert, was bei Kerstin passiert ist, wäre es wichtig, einmal am Elternabend zu sagen: Bitte lasst uns die wichtigen Dinge via Mail abstimmen, damit auch jede*r informiert ist. Denn wir wissen ja: Nicht alle haben eben WhatsApp!
  • Und ich, Doro, habe mir vorgenommen: Ich werde mich nicht mehr aufregen. Es hat doch jede*r andere Bedürfnisse und Fragen, auch wenn sie für mich manchmal absurd sind. Aber zwei Dinge habe ich mir vorgenommen: Sagen, wenn es zu bunt in der Gruppe wird! Und bei der nächsten Gruppe darum bitten, dass wirklich nur Dinge geklärt werden (vorausgesetzt alle Eltern, egal ob Kita oder Klasse sind dabei), die essentiell sind. Zum Beispiel: Wir sammeln Geld für XY. Schaut mal, das hier ist das Geschenk für XY. Oder Fotos vom gebastelten Adventskalender. Denn das möchte ich an dieser Stelle anmerken: Ich bin dankbar für die Eltern, die sich so einsetzen und genau das in der Gruppe teilen. Ich wünsche mir eben nur, dass wir nicht über „Sagt ihr, dass mein Kind morgen nicht kommt“ allesamt sprechen. Denn sowas können wir wirklich auch einfach direkt klären! DANKE!

Schlagwörter